Wednesday, April 19, 2006

Wild Duck

Wild Duck Die Deutsche Abfrage

Hier mein innerer Protest gegen Deutscherklausuren etc....

Zu Karfreitag und Ostern blättere ich ruhig in meinen prachtvollen Büchern. Ohne Brille, ganz entspannt. Ich kann aber nicht mehr so gut sehen. Osterspaziergang. Faust!

„Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich deutsch, hier darf ich’s sein!“

Ich bin deutsch geboren, ich werde ja nicht mehr ausgefragt! Ich jauchze. Ich muss keinen Ausländertest absolvieren!

Dir armen Ausländer tun mir ein bisschen leid, sie müssen Fragen beantworten, deren Antwort ich ja auch nicht kenne, bestimmt nicht die mit dem Kaspar-David-Kreidefelsen auf Rügen, die wahrscheinlich aus Proporzgründen in den neuen Einbürgerungstest auf Deutschtum hinein musste. Zu dem Test fallen mir fast nur Sarkasmen ein. Wie haben wir als Kinder immer gesungen?

„Die Gedanken sind frei,
wer kann sie verraten?
Der Test will sie wissen,
das Land sie erschießen, mit Fragen zu Brei!
Die Gedanken sind frei!“

Das Lied ist von eine alten Schweizer Weise abgeleitet und fängt ursprünglich anders an.
„Nur die Franken sind frei, das Gold und Dukaten…“

Glauben Sie im Ernst, ein paar Bildungsfragen machen zum Deutschen? Hindert der Führerschein, wie eine Sau zu fahren? Würden wir einen Wolf, der einen Kreidefelsen frisst, gleich als Ziege bezeichnen? Doch eher als Schaf? Wenn der Test angeblich Terroristen entlarven hilft, dann müssten wir doch auch alle Stasi-Spitzel damit finden können? Wahrscheinlich ist der Test von den Flughäfen abgekupfert. Wenn man dort die Frage nach dem Mitführen von Bomben bejaht, darf man nicht mitfliegen. Die listigen Gepäckpackgeschenkfragen entlarven dort jeden Terroristen. Deshalb wurden in jüngster Zeit auch keine Flugzeuge mehr entführt.

Wenn jemand irgendwo einheiratet, muss er verinnerlicht haben, wo er ab jetzt leben wird. Es wäre schön, er könnte Ideen in sich fühlen. „Freude, schöner Götterfunken…“ – „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht.“ – „Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“ – „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Aber ein Test? Wenn eine Deutsche in den nahen Osten einheiratet, warnen wir sie, wappnen wir sie, klären sie auf. Es ist kein einfacher Schritt, in eine andere Kultur zu wechseln, in keiner Richtung. Hilfe und Willkommen wird gebraucht! Beratung, Gespräche! Aber ein Test?


Und wenn schon ein Test, dann bitte ein paar entlarvendere Fragen!

· Begründen Sie, warum das deutsche Bildungssystem am besten ist.
· Was verbinden Sie mit dem Wort Kopfpauschale im Zusammenhang mit Krankheit?
· Wann nimmt der Deutsche einen Jägerzaun, wann Stacheldraht?
· Bis zu welchem Alter dürfen Hunde in der Mittagszeit bellen und welche Einschränkungen bestehen für Kinder?
· Der folgende Satz ist ein Gedicht – interpretieren Sie! „Wer in der Schule schillert, bekommt eins auf die Glocke.“
· Nennen Sie drei Politiker, die eine Zweitstimme haben.
· Welche Arbeiten hält ein Deutscher für würdelos?
· Wer ist mit der Bezeichnung Allgemeinheit in dem Artikel 14 des Grundgesetzes gemeint? „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Ach, ich bin etwas bitter…die Gesinnung wird doch nicht besser, wenn man etwas weiß. Wissen hilft, ja! „Lerne, dann weißt du in der Not!“, zum Beispiel, wenn man etwa nach Deutschland fliehen will. Aber schon Goethe beschrieb die Tragödie eines DDR-Fluchthelfers:

„Erreicht den Westen mit Müh’ und Not, in seinem Armen das Kind blieb rot.“

Es ist Ostern. Ich lese Faust und in der Bibel. Ohne Brille, ich sehe etwas schlecht.

„Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin,
und leider auch Theologie! Durchaus studiert mit heißem Bemühn.
Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so deutsch wie nie zuvor.“

16 Comments:

Anonymous Anonymous said...

So werden die armen Einwanderer wenigstens auf die deutsche Prüf-Kultur vorbereitet.

Du willst ein Haus bauen? Hier ist der Fragebogen.
Du willst Dein Geld investieren? Dazu brauchst Du ein Konto. Hier ist der Fragebogen.
Du willst eine Gaststätte eröffnen? Hier sind erstmal fünf Fragebogen, dann sehen wir mal, welche Behörde sich sonst noch meldet.

Du willst ins Fernsehen? Millionär werden? Lerne, Fragen zu beantworten!

Wer den Test schafft, hat damit nicht etwa bewiesen, das nötige Wissen als Eingebürgerter zu haben. Er hat auch nicht die nötige Ernsthaftigkeit seines Anliegens bewiesen. Aber er hat bewiesen, daß er bereit ist zum regelmäßigen Umgang mit dem gründlichen deutschen Amtsschimmel, und das ist letztlich der Haupterfolgsfaktor für jeden Neubürger!

9:59 AM  
Anonymous marvis said...

Naja, an sich ist die Idee nicht doof. Manche Leute lassen sich relativ gut integrieren, andere nicht, und ich denke, das ist auch eine Frage der Grundeinstellung.

Die kann man sicher schon irgendwie erkennen, aber dadurch, dass das ganze in einen solchen Fragebogen gegossen wird, wirkt es irgendwie absurd. Es ist mal wieder das alte Problem: Das Eigentliche können wir nicht sehen, also müssen wir versuchen, es zu approximieren. Aber wahrscheinlich könnte man das auch einfach merken, indem man sich mal 'ne Viertelstunde mit den Kandidaten unterhält. Solchen Methoden vertrauen aber eben leider nur Intuitive. ;-)

11:49 AM  
Anonymous Anonymous said...

Soweit zum lesen ohne Brille, evtl. macht Sie ja das Blog lesen und schreiben (weiss auf schwarz) blind...

3:29 AM  
Anonymous Uwe Linck said...

In einem Schulbuch für den Ethik-Unterricht in der 8. Klasse, das ich gestern zufällig in die Hände bekam, fand ich noch zufälliger folgenden Witz:

Drei Ausländer möchten deutsche Staatsbürger werden. Sie gehen zusammen auf das Einwohnermeldeamt. Der erste geht hinein. "Wie gut sprechen Sie deutsch?" fragte der Beamte. "Gebrochen." "Oh, nein, nein, bei Ihnen ist es noch zu früh." Er verläßt das Büro und die zwei anderen fragen ihn: "Na, wie war's?" "Nix war's."

Der zweite geht hinein. "Wie sprechen Sie deutsch?" " Nicht gut." "Nein, nein, das geht beim besten Willen nicht." Auch er verläßt das Büro, und die anderen fragen ihn, wie es war. "Nichts!"

Der letzte geht hinein. "Wie lange sind Sie schon in Deutschland?" "Fünfzehn Jahre." "Sprechen Sie gut deutsch?" "Ja, perfekt." "Gut, hier sind Ihre Papiere, bitte unterschreiben Sie. Ab jetzt sind Sie deutscher Staatsbürger." Er geht hinaus und die anderen fragen ihn, ob es geklappt hat. Darauf gibt er zur Antwort: "Das geht euch Batschaken gar nichts an!"


Unter dem Thema "Vorurteile" soll da deutlich gemacht werden, wie schnell man manchmal auf der anderen (falschen) Seite stehen kann.

Mir ist dennoch gleich der Einbürgerungstest eingefallen. Ob das mit dem genauso laufen wird (in zweifacher Hinsicht)?

Die ersten beiden waren, vereinfacht gesagt, vielleicht einfach nur selbstkritisch? Oder ehrlich?

4:43 PM  
Blogger Heike said...

Also mir kommt der Test eher wie eine Art Vorverurteilung vor. Es erinnert mich an einen Beitrag, den ich gestern im Fernsehn sah. Da waren 10! jährige, die auf eine Hauptschule gekommen sind. Sie fühlten sich schon wie der Abschaum der Gesellschaft. Mit zehn Jahren schien ihnen ihr Schicksal schon bestimmt! Ein kleines Mädchen begrub schon ihren Traum, den viele junge Mädchen träumen - Tierärztin zu werden. Es wird diesen jungen Menschen bereits der Traum genommen! Mit einem Hauptschulabschluss kannst Du noch Putzfrau werden sagt ihnen die Gesellschaft!
Mit dem Test sagen wir den Menschen doch auch, dass sie nur in dieses Land kommen, wenn sie blödsinnige Fragen beantworten können, wenn sie sich möglichst smooth in unsere "Kultur" einfügen.
Die Frage ist doch, kann jemand das wollen, nachdem er einen Eignungstest bestehen muss? Kann denn jemand wirklich wissen, ob er hier wohnen will, wenn er es noch nicht ausprobiert hat?Müssen wir die Menschen nicht erst bedingungslos aufnehmen? Es ist nicht der Widerwille deutsch zu sein, der manchen "Ausländer" gewalttätig werden lässt! Es ist die Perspektivlosigkeit! Das Mädchen könnte auch Tierärztin werden, wenn es erst den Hauptschulabschluss macht, danach das Abi nachholt und dann studiert. Aber wird es das fertig bringen, nachdem ihr schon alle eine andere Zukunft weisgesagt haben?
Das erfordert doch ein grosses Mass an Selbstvertrauen und zielgerichteter Arbeit. Das schafft nur ein ganz kleiner Prozentsatz!
So ist es bei den Einwanderern. Sie kommen hier her, voller Hoffnung und oft auch mit falschen Vorstellungen. Doch dann werden sie statt willkommen geheissen mit einem Test empfangen. Einem Test, der sich überhaupt nicht für sie interessiert, der nur möchte, dass man deutsche Regeln und Geschichte auswendig kann. Da erfordert es ein hohes Mass an Selbstbewusstsein und an unbeirrbarem Glauben, wenn man da noch seine Träume verwirklichen will.
Leichter ist es da, sich abzuschotten, gegen den Feind (uns) und zu versuchen eine kleine Oase des eigenen Landes in Deutschland zu begründen.
Darin gibt es dann natürliche, die sich mit Prügeleien gegen die Feindlichkeiten zur Wehr setzen, oder richtige, die in die ganze in ihrem Land schon lange überkommene Strenge ihrer Weltanschauung sich flüchten wie zum Beispiel islamische Fundamentalisten. Die Wahren sieht man wohl nicht, sie verkriechen sich vielleicht völlig resigniert in ein Loch.
Ich bin der festen Überzeugung, dass wenn wir das Gute im Menschen hervorlocken wollen, dann können wir das nicht mit Misstrauen, sondern nur mit Zutrauen und Vertrauen!
Abgesehen davon... wie lange wird es wohl dauern, bis die Antworten im Internet zu finden sind, wie die Antworten auf den Idiotentest beim TÜV?
Ich beschließe meinen Beitrag mit einem Goethe Wort, da er hier ja gerade so en vogue ist:
"Wenn wir die Menschen so nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter. Wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind."
Behandeln wir das Mädchen, als wäre sie eine Studentin der Veterinärmedizin und eröffen ihr den Zugang zu ihrem Interessensgebiet und behandeln wir den "Ausländer" als einen Europäer wie wir einer sind und lernen uns gegenseitig kennen, dann wird es keine Gewalt und keinen Fundamentalismus mehr geben! Auf beiden Seiten nicht. Und wir werden uns gegenseitig bereichern und Schwierigkeiten gemeinsam angehen! Das ist mein Glaube!

2:55 AM  
Blogger Heike said...

Jetzt hab ich gerade eine Erfahrung gemacht, die mich denken lässt, dass ich zu einseitig gedacht habe...
Ich habe ein Gespräch zwischen 3 gebildeten richtigen älteren Menschen gehört. Es ging um die Schülerinnen, die in ganzer muslimischer Kluft zum Unterricht kamen.
Er: Also, das ist doch Fundamentalismus, den die da ausleben! Sie sind nun hier, da müssen sie auch unsere Kultur annehmen oder abhauen.

Hat er Schmerz, wenn da jemand so auftritt?
Warum???
Ich wäre da nie drauf gekommen!

Müssen wir also erst einmal gerne deutsch sein? Unsere Kultur lieben und echt leben, damit solche Leute ruhiger werden?
Denn ich glaube ja nicht, dass eine solche Reaktion hilft Fundamentalismus zu verhindern.
Würde das helfen ihn toleranter zu machen? Was braucht er?
Oder würde er es niemals akzeptieren, dass ein Mädchen so rumläuft, was sicher auch eine Gegenreaktion ist.

Hat mich etwas betroffen gemacht, weil ich an so etwas nie gedacht hätte, wohl, weil ich den "richtigen Schmerz" nie ernst genommen habe. Weil ich ihn sogar wünschte, weil meine richtigen Eltern mich verletzten.

Was haltet Ihr denn davon???
Alleine komme ich da nicht weiter. Wär schön, wenn Ihr mir weiter helfen könntet!
Vielleicht hat er auch recht?

3:13 AM  
Anonymous marvis said...

Hallo Heike,

ich kenne die genauen Gründe des von Dir zitierten Herren nicht, aber ich denke, das hier auch zum Teil die Angst vor der Veränderung der eigenen Kultur mitschwingt.

In unserer Kultur ist es ein hoher Wert, seinem Gegenüber ins Gesicht sehen zu können. Wir legen Wert darauf, dass in einer Schule bestimmte Inhalte gelehrt werden, was durch eine derartige Kleidung teilweise unmöglich gemacht wird. Und nicht zuletzt natürlich die Gleichberechtigung der Frau, die immer wieder hoch gehalten wird. Auch dies ist ein Recht, und Rechte sollte man nach unserem Kulturverständnis nicht einfach abtreten können.

Toleranz bedeutet in vielen Fällen nicht nur, dass wir ein Verhalten hinnehmen, sondern auch, dass wir eine Veränderung der eigenen Normen hinnehmen. In vielen Fällen ist das sicher angemessen, in anderen nicht.

Ich finde es sehr gut, dass diese Diskussion zur Zeit in der Öffentlichkeit geführt wird. Pauschalaussagen wie "Ausländer müssen sich anpassen" bringen uns nicht weiter, aber durch Leute, die Grenzen überschreiben, bekommen alle direkt und indirekt Beteiligten ein besseres Gefühl dafür, wo die Grenzen (in unseren Köpfen) denn tatsächlich liegen. Und es lässt uns über das richtige Maß an Toleranz nachdenken. Viele sprechen vom "goldenen Mittelweg", aber wo liegt der genau? Letztlich sind solche Diskussionen nur die Suche nach ihm.

Grüße
Marvis

7:19 AM  
Blogger Heike said...

Hallo Marvis,

Du bringst mich immer weiter, danke!
Und wenn es nur so weit weiter ist, dass ich sagen kann, ich weiss noch so ziemlich gar nichts allgemeines dazu zu sagen!

Im Grunde bin ich ja selbst noch nicht "eingebürgert"! Immer hab ich mich der Gesellschaft entzogen. Nun beginne ich ja, mich zu engagieren. Doch noch bei Kleinigkeiten falle ich in alte, ablehnende Muster zurück. Kämpfe in Diskussionen und zerstöre somit, was wir eigentlich erreichen wollen. Deshalb verstehe ich einfach alle Arten von Leuten, die DAGEGEN sind, gegen das System.

Ich weiss eben, dass bei mir einzig und allein Gunter Duecks Bücher mich dazu brachten, dass ich mich selbst verstanden habe und vor allem akzeptieren, ja mögen lernte. Das ging zwar nur über den Weg des heimlichen Besser-Fühlens als die Richtigen, was aber einfach ne natürliche Überreaktion in die andere Richtung war. Und daher hab ich mir eben Gedanken gemacht, wie man die natürlichen Überreaktionen der "Ausländer" auf das System handhaben kann.
Doch ich denke, da gibt es keine pauschale Antwort drauf. Ich persönlich würde mich nicht an einem Ganzkörperumhang stören. Würde wohl einige Fragen stellen nach dem Warum, und ob dies ihre eigene Entscheidung war. Denn es ist eben doch auch eine Frage der Gleichberechtigung, ob man eine Frau sich verschleiern lässt, wenn sie das will. Ich kenne den Koran ja nicht, aber es gibt bestimmt auch dort, wie in der Bibel viele Stellen, die man so auslegen kann, dass unterschiedliche Verhaltensweisen da heraus gelesen werden.

Wenn sich zum Beispiel ein Christ selbst kasteit, dann kann ich nur sagen, Du irrst! Aber verbieten kann ich es ihm nicht. Es ist sein Glaube. Oder wenn eine Frau als Jungfrau in die Ehe will, dann soll sie das tun! Das ist ihre Freiheit. Da zwinge ich sie nicht als Feministin sich auszuprobieren!

Wenn ein muslimischer Mann mich beschimpfen würde, dann würde ich meine Toleranz als überstrapaziert sehen.

Also bin ich noch weit entfernt von einem auch nur annähernd allgemein gültigem Urteil, wenn es so was geben sollte.

Und ich habe einfach meine Ethik in mir. Die kann mir keiner nehmen, ich kann sie nur selbst und mit Hilfe von Euch weiter entwickeln. Und ich achte darauf, dass ein unerfreulicher Umgang mich nicht wieder zurückwirft in alte Hasswelten, denn ich habe das Licht gesehen! Wenn also Hass in mir aufflammt, dann frage ich mich zu allererst, warum meine Machina jetzt wieder aktiv wurde. Erst wenn dieses falsche Scheingefühl weg ist, dann mache ich mir Gedanken über die Situation an sich.
Was ich wieder lang und breit sagen will ist:
Ich glaube, ich weiss Normen nicht zu schätzen. Oder ich sehe nicht, wo muslimische Werte den Christlichen widersprechen sollten.
Wenn allerdings die Frau nicht mehr ist als ein Haushund, dann wird auch meine Ethik verletzt!
Dann verändern sich Normen in nicht akzeptabler Weise?
Aber können wir schon allein wegen der Befürchtung, dass so was passiert so überhitzt reagieren?

12:55 PM  
Blogger Heike said...

oh, jetzt hab ich "veröffentlichen" statt "vorschau" gedrückt...

Ich wollte doch noch liebe Grüße an Dich sagen Marvis!

12:57 PM  
Anonymous Hinrich said...

Das Problem ist ja nicht das Tragen der Burka selbst.

Die Kleidung ist eine Nachricht: "Ich verhülle mich". Der Betrachter macht durch eigene Interpretation aus der Nachricht eine Information. Zum Beispiel:
"Ich werde von meiner Familie gezwungen, dies zu tragen."
Oder:
"Ich will mich Eurer Kultur nicht anpassen."

Beide Beispiele wären aus meiner Sicht durchaus problematisch - wenn sie denn tatsächlich das ausdrücken würden, was die Trägerin signalisieren will.

Und das ist die Crux: man kann nicht nicht kommunizieren. Wer in Deutschland die Burka trägt, signalisiert allen in der deutschen Kultur verwurzelten Betrachtern "Ich grenze mich aus".

3:04 AM  
Blogger Heike said...

Hallo Hinrich,

Burka!! Danke, das Wort hatte ich vergessen!
Ja, klar ist das Ausgrenzung! Frage: Wie reagieren wir darauf? Durch Abschiebung?
Es ist doch vielmehr so, dass wir ein paar grundlegende Ideen unserer Kultur wie Girlanden aufhängen müssen zur Begrüssung! Nicht auf ihre Ideen draufhauen, wie auf Unkraut. Sondern uns vielleicht auch mal besinnen, dass wir mehr gemeinsam haben, als uns trennt!

Frauenfeindlichkeit muss natürlich bestraft werden, denn das Selbstbestimmungsrecht aller Menschen ist ein wichtiger Grundwert!
Doch das Tragen einer Burka zu ahnden? Ich weiss nicht? Sollen wir dann warten bis wie in Frankreich Autos brennen? Oder nicht als einzelner lieber den Protest ernst nehmen? Und Verständnis zeigen und Achtung?

Ich meine, es lief ja schon was schief, wenn man sich abgrenzen will. Auf der anderen Seite bekommt eine junge türkische Praktikantin keine Verlängerung für ihr Visum. Und sie wöllte so gerne, weil sie hier als Frau gleichberechtigt ist! Das ist traurig!
Darf ich da nicht bei richtigen Menschen vorraussetzen, dass sie über ihre Angst, dass Normen sich vielleicht ändern hinweg springen?

Sie müssen doch diese Normen leben als Vorbild, oder? Nicht andere dort hineinzwängen! Und ich bin ja froh, dass sie hier die Achtung vor Frauen vorleben!

7:37 AM  
Anonymous Anonymous said...

Hallo Heike,
ich habe keine einfache Lösung parat. Wir stehen ratlos daneben.

Ich versuch's trotzdem mal:

Ich will niemanden ausgrenzen. Ich begrüße die Vielfalt, die Bereicherung unserer Kultur. Wenn die Burka als folkloristisches Element (manchmal) hinzukommt, warum nicht?

Ich will keine Scharia in Deutschland. Keine Blutrache. Keine Ehrenmorde. Keinen Muezzin, der per Lautsprecher meine Gartenparty beschallt. Da hört die Toleranz auf.
Warum?
Dies ist meine Heimat. Ich habe nur diese eine, ich möchte mich hier zu Hause fühlen.

Wenn wir uns da einig sind, kommen wir gut miteinander aus.

Soviel zu mir.

Mag sein, daß andere schon einen Schritt weiter sind - von der Beschreibung des Möglichen und Unerwünschten bis zu Angst und empfundener Bedrohung ist es nicht weit.
Die brennenden Autos in Frankreich sind da ganz schlecht - bevor es soweit kommt, schiebt man lieber gleich alle ab? 8-(

Wie nehmen wir denen, deren Heimat Deutschland ist, die Angst vor dem Fremden, Unbekannten?
Wie geben wir denen, die bei uns bleiben wollen, das Gefühl dazuzugehören?
Wie erfahren wir, wer wirklich zu uns kommen will, unsere Kultur, unsere Freiheiten annehmen will? Im Gegensatz zu denen, die nur unseren freien Platz und unsere Infrastruktur brauchen?

(Und schon sind wir wieder bei dem unseligen Quiz.)

Ich habe keine einfache Lösung. Ich fange einfach mit dem "Man in the mirror" an (nach Michael Jackson). Ganz gemäß Deiner Idee mit dem Vorleben.

2:23 AM  
Anonymous Hinrich said...

Ups. Ich habe den Namen eingetragen und den Knopf vergessen.

2:24 AM  
Blogger Heike said...

Hallo Hinrich,

was für ein schöner Kommentar! So schön geschrieben!
Du hast mir damit zweierlei Dinge geschenkt. Erstens einen Büttel Scham, weil ich sehen muss, dass mich immer noch viel Abwehr leitet, mehr als ich gedacht hätte. Es ist Abwehr gegen ein System, dass mich nie akzeptiert hat, ausser an der Uni. Ich empfinde kein Heimatgefühl, so wie Du. Es klingt aber sehr schön, wie Du es schreibst und liebevoll. Und dann denke ich, dass es vielleicht so ist, wie mit der Kirchenglocke, die nahe vor unserem Schlafzimmerfenster jede viertel Stunde schlägt und mich, wenn ich nicht einschlafen kann tierisch genervt hat. Bis sie mal kaputt gegangen ist und die Nacht so still war. Sie fehlte mir! Jetzt ist sie schon lange wieder ganz und ich hab mich nie mehr über ihr Läuten aufgeregt.

Und zweitens ein wenig mehr Einblick, wie sich die Sache für mich darstellt.
Ich glaube, Du hast da unzulässig zusammengewürfelt. Dinge wie Ehrenmorde und Scharia mit dem Muezzin. Die ersten beiden Dinge sind ja rein Machinabased! Während so ein Muezzin ja aus voller Seele "schreit". Ich finde, gegen den Muezzin müssen wir Toleranz üben. Ist ja viel Einstellungssache, wie ich mit den Kirchenglocken selbst erfahren habe! Die Machinasachen die kann man dulden, solange sie nicht Seelen oder Leben morden, finde ich. Duldung ist anders als Toleranz!

Somit kann ich nur zitieren, was bei Amazon zu Topothesie geschrieben steht:
"Das was wir fürchten erzeugen wir in Wahrheit selbst!" Man kann nicht im Vornherein unterscheiden, wer sich gut integriert und wer nicht! Vielleicht möchte aus der Mischung der Kulturen auch etwas individuell! wachsen? In jedem Menschen?
Mit diesem Gedanken sollten wir vielleicht die Sache einmal betrachten!

Liebe Grüße,
Heike

11:40 AM  
Anonymous Hinrich said...

Hallo Heike,
heute morgen hat meine Unwissenheit mich eingeholt.
Der Wiesbadener Kurier zitiert Tarek Ali, der klarstellt, daß so etwas wie "Ehrenmorde" durch den Koran nicht gedeckt sind, sondern auf Dorf(un)sitten beruhen. So geht mein Unbehagen ins Leere...
[Nebenbei: jede Kultur, auch unsere, hat ihren Anteil Idioten. Es ist nur fair, wenn Einwanderer auch ihre Quote mitbringen.]
Die Mißverständnisse müssen immer wieder ausgeräumt werden. Ich habe es so verstanden: Islam heißt Frieden, und der Djihad ist der Kampf gegen die eigene Versuchung, kein Kreuzzug zur Ausrottung aller Andersgläubigen. Gute Voraussetzungen, um prima miteinander auszukommen.
Nun kriege ich die Kurve zum Ausgangspunkt... vielleicht sollten Deutsche mal einen Fragebogen zur Fremd-Kulturen-Kenntnis beantworten? Einfach, um uns selbst Klarheit zu verschaffen, wie wenig wir über die wissen, die zu uns kommen. (Was ist "Machina"?)

Ein wenig praktische Integration hilft. Beim Sportfest oder beim Weinfest kommen Fremde problemlos miteinander ins Gespräch, warum nicht auch quer durch die Kulturen? Oh je, die nächste Barriere - deutsche Feste sind oft am Alkohol orientiert, kein guter Einstieg.
Gibt es irgendwo in Deutschland ein Kaffee-Fest? Einen Saft-Markt? Eine Sprudelmesse?
Wir geben die Hoffnung nicht auf. Integration ist möglich, wir müssen sie nur suchen.
Gruß, Hinrich

11:42 PM  
Blogger Heike said...

Hallo Hinrich,
ja, solche Vorurteile sind ja eben das Problem. Sie sind menschlich und geschehen automatisch. Doch wir haben ein Logistikon, etwas in uns, das uns sagt, das alles nicht real ist, sondern nur auf Hörensagen und Bequemlichkeit beruht! Nicht nur bei Ausländern! Wir können im Leben nicht jedem Menschen wie ein unbeschriebenes Blatt bertrachten, das ist zu aufwendig. Aber wir können nehative Urteile, besonders wenn es VORurteile sind immer wieder hinterfragen! Das Eigentliche geschieht immer face to face, finde ich. Vielleicht könnte man an den Schulen ein wenig mehr über andere Weltreligionen lernen? Wir lernten nur viel über verschiedene christliche Splittergruppen. Niemals über andere Weltreligionen und Anschauungen. Das ist schade!

Was ist Machina? Hmm, das ist ein wesentliches Konstrukt vom neuen Menschenbild in Topothesie. Ich dachte, das würdest Du kennen, weil dieser Raum doch von Gunter Dueck ist. Bisher hat das aber keiner hier... Sorry!
Also da ist so etwas wie ein Selbst (Seele), das
als Kind entsteht und dann durch allerlei Erlebnisse und Seismographenstöße (wenn Du Omnisophie kennst) etc. eine Art "Maschine" ("Machina") in sich entwickelt, die das Leben bewältigt und unter Umständen dann ganz am Selbst vorbei das
Leben "erfolgreich" besteht. Die Machina lässt uns stereotyp, also ohne überlegen (ich würde es mit dem tierischen Instinkt vergleichen wollen, weil es so fest gefahren ist) handeln und das Leben durch Erfolg, Kranksein, Wissen, Macht u.s.w. bewältigen. Die Seele möchte nie mehr Nicht-Liebe, Respektlosigkeit oder Ungehorsam haben, weil sie das als Kind so schrecklich erfahren musste. Dafür erschuf sie die Machina. Doch die Machina bekämpft nun auch die Seele, die ihr ja immer wieder sagt: Aber hey, so einfach ist das nicht!
Dabei kommen dann natürlich keine guten Entscheidungen heraus. Nicht gut, aber energieeffizient und schnell.

Ach, ist schwer das zu beschreiben! Wohl wieder viele Fehler gemacht bei dem Versuch. Das kann ich nicht gut! Am Besten Du liest selbst mal Topothesie! Du bist ja ein interessierter, kluger Mensch. Da kannst Du es vielleicht besser verstehen! Und wir können hier mal über so was reden! Oder Du liest vorerst mal, was Gunter Dueck bei Amazon zu seinem Buch dort schrieb. Da ist es auch besser erklärt!

Solange denke ich mal über ein Saftfest nach! :-) Was für ein netter Gedanke!

Liebe Grüße,
Heike

4:07 PM  

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