Monday, August 21, 2006

Leichtes Leben durch Zwei Plus!

Wer gut rechnen kann, ist viel schneller als andere und macht weniger Fehler. Wussten Sie das? Wer gut schreiben kann, formuliert viel schneller und begeht kaum Orthografie-Sünden. Schüler, die gut sind, brauchen viel weniger Zeit für gute Hausaufgaben als solche, die sich fürchten müssen. Warum gibt es also Leute, die noch Zeit für schlechte Leistungen haben?

Nicht wirklich überlegte Menschen glauben, dass schnelleres Arbeiten zu mehr Fehlern führt. Nicht wirklich überlegte Menschen glauben, dass fehlerfreies Arbeiten länger dauert. So etwas sagen Sie nämlich nur, wenn Sie etwas nicht gut können. Wenn Sie es gut können, ist es immer schnell und fehlerfrei – wenn ich einmal von abstrusen Perfektionisten absehe, die sich an den Universitäten zu sammeln scheinen. Ich stelle hier die Behauptung auf: „Wer es etwas gut kann, ist schnell, fast fehlerfrei und hat ein gutes Leben.“

Ich sagte gut wie Zwei Plus, nicht Note Eins, ja? Die ist oft Liebhaberei, nicht Pragmatismus. Meine These ist schwer zu glauben. Denn Sie haben vielleicht eine Vier gehabt und so irre viel Arbeit und Angstschweiß aufwenden müssen, dass Sie sich die Mehrarbeit für eine Zwei Plus nicht einmal in Alpträumen vorstellen wollten. Viele Jahre habe ich diese These zu Hause diskutiert. Ich musste Hohn einstecken. Der klang so – sie äfften mich in meiner prophetischen Sprechhaltung nach: „Interessier dich doch, Kind! Hab das, was du können willst, etwas lieb, Kind!“ Und dann fügten sie erregt hinzu: „Blabla, es ist nur doof, alles in der Schule, und man hat schon keine Lust mehr, wenn man das Heft aufschlägt. Und sie schimpfen doch wieder über alles, so oder so.“ Gegen das Ende der Schulzeit, als die Punkte für das Abi zählten, kam dann jemand heim und sprach also: „Du, ich habe etwas erkannt, was mir das Leben sehr erleichtert. Wenn du nämlich schon in der Schule das Gehirn angeschaltet lässt und verstehst, worum es geht, musst du irre viel weniger lernen als sonst. Ich glaube, du musst gar nichts mehr arbeiten, wenn du eine Eins hast, dann verstehst du ja alles gleich online und kritzelst schnell nach der Schule die Aufgaben runter. Alles ist sofort richtig, die Lehrer maulen nicht rum und die Eltern auch nicht. Jetzt bin ich gut in der Schule. Schon gemerkt? Darf ich ab jetzt über Nacht wegbleiben, Pa?“ – Ich war mächtig stolz, dass mir jemand mal zugehört hatte und äußerte das ungemein froh. Ich wurde schwer für diese Eitelkeit ausgeschimpft: „Ich habe es selbst entdeckt! Ich brauche dich nicht dafür!“

In meinem Buch Wild Duck habe ich das Buch Peopleware von Tom DeMarco und Timothy Lister zitiert und empfohlen. Dort berichten die Autoren, die meine These offenbar nicht kannten, von einem Programmierwettbewerb. Viele Testpersonen mussten ein Programm schreiben, dabei wurden Zeit und Fehleranzahl gemessen. Nun wurde ausgewertet, wer am besten abschnitt und woran es lag. Am Alter? An der Erfahrung? Dem Computer? Der Bezahlung? Der Ranghöhe? Das ganz grobe Ergebnis: Die besten Leute waren doppelt so schnell und ziemlich fehlerfrei. Sag ich ja! Das weiß jeder! Und welche Leute waren gut? Jetzt kommt der Hammer: Die Qualität hing nicht von Geld, Alter, Rang was weiß ich ab – nur – ja – nur – wovon?
Sie raten es nie – von dem Unternehmen, in dem sie arbeiten. Warum das? Ich weiß es nicht. Sammeln sich die Guten irgendwo? Oder ist die Qualität eine implizite Sache der Unternehmenskultur? Wissen alle in einem Unternehmen, wie gut und wie schnell etwas zu sein hat? Gibt es deshalb unglaublich gute und schlechte Schulen? Gute und schlechte Klassen? Ich habe sofort so einen Artikel wie diesen im IBM Intranet publiziert. Aber immer noch gibt es Manager, die glauben, dass gute Arbeit zu lange dauert und teuer wird. Das ist nur dann so, wenn man gute Arbeit von schlechten Leuten verlangt! Immer noch gibt es Manager, die glauben, dass schnelle Arbeit zu Fehlern führt! Das ist nur dann so, wenn man schlechte Leute antreibt!
Es kommt darauf an, mit Leuten in einem Klima zu arbeiten, die etwas gut können. Dann sind sie alle offenbar doppelt so schnell und doppelt so gut. Und dann gibt es immer noch Manager, die glauben, durch Antreiben bei guten Leuten etwas erreichen zu können! Hey, gute Leute sind schon am schnellsten und am besten!

Wenn wir als Manager die Menschen antreiben, dann machen die schlechten Mitarbeiter mehr Fehler und die guten erklären uns zu Idioten. Wenn wir als Manager den Menschen bei Fehlern den Kopf abreißen, arbeiten die schlechten beliebig lange und die guten erklären uns zu Idioten. Was bewirkt also das Management oder die anherrschende Pädagogik? Noch schlechtere Leistungen. Gibt es deshalb gute und schlechte Unternehmen, Schulen oder Klassen?
Das Hetzen und Beckmessern schaut nicht auf die Hauptsache: Man muss nicht schnell und nicht fehlerfrei sein, sonder einfach gut, nicht besser und nicht schlechter. Nur gut. Zwei Plus. „Lehrer zufrieden, Eltern zufrieden, Schüler zufrieden, viel Freizeit, Selbstbewusstsein, schönes Leben, wenig Arbeit.“ – Nicht Vier: „Lehrer mault, Eltern schimpfen, niedriges Selbstbewusstsein, Nachhilfestunden, Geldverdienen für Nachhilfestunden, Hausarrest, Nachsitzen, Versetzung gefährdet, Deadlines - immer kurz vor dem Tod.“ Oder in Firmen – Note Vier: „Revision, Meeting, Review, Genehmigung, Nacharbeit, Nochmaleinreichen, Überstunden für Fehler, Misstrauen, Mobbing, Projektleiter böse, Kollegen böse, Chef böse, Kunde böse, Nacharbeit, Nachprüfung, Gehaltskürzung.“

Wer hat so viel Zeit? Wer ist so masochistisch, nicht gut zu sein?

23 Comments:

Anonymous marvis said...

Ein Spruch eines Freundes trifft das ganz gut:
"Es ist leicht, gut zu sein. Es ist schwer, gut zu werden."

8:43 AM  
Anonymous Anonymous said...

Mir gefällt Ihr Beitrag sehr - weil er auch meiner Auffassung entspricht.

Jedoch fehlt mir eine Kleinigkeit: Auch für das "Gutwerden" ist eine relativ "streßfreie" Umgebung hilfreich, wenn nicht gar Voraussetzung.

Denn im Gegensatz zu manchen Menschen (vielleicht auch von einigen Managern)- denke ich - der Mensch kann immer lernen. Und für mich persönlich wäre es ein Alptraum nicht mehr lernen zu "dürfen".

Liebe Grüße
Esther

3:06 PM  
Blogger Heike said...

Hallo Ihr Beiden,
Marvis, was Du sagst ist wie immer kurz und wahr!
Warum ist es aber schwer gut zu werden? Und was bedeutet es wahrhaft gut zu sein?
Ich denke wahrhaft gut zu sein bedeutet tatsächlich die Sache zu lieben, wie Gunter Dueck ja oben schreibt. Nicht die Nebeneffekte, wie die Liebe des Lehrers, oder das Lob der anderen, oder die Begeisterung für das Neue (die Magie des Anfangs). Wie kommt man da hin?
Und jetzt komme ich zu dem, was Du sagst Esther. Ich denke jeder, wirklich jeder lernt gern! Es ist schön, dass Du das schon rein tust. Denn was davor liegen kann, vor dem Willen das Eigentliche zu tun, oder zu lernen, das ist die Machina, die ja nicht Liebe für eine Sache hat und auch keine Geduld. Sie sieht nur, dass das Bedürfnis, (die Möglichkeiten dafür hab ich oben angesprochen) nicht erfüllt wird und rebelliert, schaut, ob ihr Bedürfnis nicht irgendwo anders schneller Befriedigung erfährt und wendet sich dorthin. Ich glaube, man kann das nur zum Schweigen bringen indem man es ignoriert und einfach mal lernt, oder eben es tut. Ich springe über den inneren Schweinehund im Körper und lerne einfach. Ich denke, dass dann die Liebe für die Sache aufkeimt. Diese ist fähig die Machina zu überschreiben. Das geht natürlich nur, wenn ich nicht von Managern oder so gezwungen werde das zu tun, indem sie mir in die Hauptwunde (Du bist unwert) stechen indem sie mir Entlassung androhen oder so. Das ist wohl das, was Du mit "streßfrei" meinst, was ich aber meinte in dem Artikel auch schon irgendwo gelesen zu haben.

Und ich hab noch eine Frage, die ich ein bisschen peinlich finde, aber es interessiert mich...
Die wohl neue Rezension für LBM bei Amazon.de, ist die wohl ironisch?? Sonst müsste ich ein wenig erstaunt sein, glaube ich. Kann mir da einer helfen, der mehr Erfahrung in Humor hat, als ich, bitte?
Und gibt es tatsächlich noch mehr Bücher zu "lean". Worum geht es da? Weniger Frust, oder weniger Leben? Also eher so wie in dem Artikel hier, oder wie in LBM sehr sarkastisch?
Hilfe!

Liebe Grüße,
Heike

8:59 AM  
Anonymous marvis said...

Ich bin beim Nachdenken über die "Zwei Plus"-Theorie an einem Punkt hängen geblieben. Vielleicht hat da ja wer von euch eine Idee zu?

Ich frage mich, wie viele Leute überhaupt gut sein können bzw. gut sein dürfen. Könnte es eine komplette Klasse geben, die "Zwei Plus" steht? Oder würden die Lehrer dann noch feiner differenzieren, und es bekäme doch wieder nicht jeder eine Zwei Plus? Wären überhaupt alle glücklich, wenn alle gleich gut bewertet wären?

10:55 AM  
Blogger Gunter Dueck said...

...ich habe mal eine Abteilung bei IBM gehabt, die hieß TOP (Tech for Optimization), die waren alle gut. ALLE. Und es gab nur ab und zu Missmut, weil die Regeln verbieten, dass alle gut sein dürfen (weil dann alle tolle Gehaltserhöhungen bekommen). Das mussten wir verkraften, aber sonst ging es. Es wären eigentlich alle glücklich gewesen, alle so bewertet zu werden, wie sie waren. Oder gar nicht bewertet zu werden. Es ging allenfalls darum zu verstehen, wo jeder stand. Das bedeutet "sich messen" - nicht gemessen werden. Wenn man gut ist, wenn man sich misst, fühlt man sich gut, oder? Und wenn andere so etwa damit einverstanden sein können...

11:04 AM  
Blogger Heike said...

Hallo Marvis,
darf ich mich anschließen?
Es ist doch so, ich bin gut, wenn mich die Sache interessiert. Also möchte ich wohl nur wissen, ob ich es recht verstanden habe? Das Vergleichen mit anderen ist ja nur wichtig, wenn ich etwas will. Wenn ich Lob oder so vom Lehrer will. Weil das ja vom System künstlich knapp gehalten wird, um uns "anzuspornen". Also funktioniert das nur, wenn ich was mit der Machina mache. Dann kann es aber eigentlich nicht wirklich gut sein, oder? Also bekommt im Grunde der Lob, der am wenigsten schlecht ist vielleicht?
Wenn alle gut wären, dann hätte wohl das System ein Problem, weil es denkt, es könnte vielleicht noch mehr raus holen? Also darf ich spekulieren, dass ein "supramaner" Lehrer dann vielleicht wirklich nach noch feineren Differenzierungsmethoden sucht um künstlich noch einen Weg zu finden, das Beste noch zu Besserem anzuspornen, was aber nicht geht?
Die Schüler würden wohl einfach den Stoff mögen und mehr nicht machen, denke ich. Nur sich wundern und hoffentlich nicht in den Betamodus wechseln!

12:09 PM  
Anonymous Uwe Linck said...

"Und noch eine Frage: _Sind_ Sie denn jetzt selbst intelligent? Na, dann gute Nacht. Wahrscheinlich sind Sie dann so einer, der 'el bi kjuh' sagt. Dann sind Sie echt eine Schlafmütze. Zu dumm, wenn man intelligent ist."

Voll erwischt.

Wenn ich mich nicht bessern wollte, schriebe ich:

Die Lean Brain Management-Rezension von "schreibmichi" ist garantiert ernst gemeint. Wenn er noch sarkastischer hätte sein wollen als das Buch selbst, hätte er exakt dasselbe geschrieben ("es gibt wesentlich bessere [Bücher], bei denen man nicht den Spaß an Lean verliert"), aber 5 Sterne gegeben.

Nun, wenn ich die Mail zum letzten DD richtig verstanden habe, ist die Frage noch nicht endgültig beantwortet, ob LBM sarkastisch oder als ernstes Management-Lehrbuch zu verstehen ist.

Im Gegensatz zu Ankhaba sind hier noch alle Optionen offen: Einfach noch ein paar Rezensionen abwarten und dann in die favorisierte Richtung umschwenken? *dg*

Immerhin meint "schreibmichi", Gunter Dueck sollte mehr Romane und Kinderbücher schreiben. Das ist doch jetzt recht konstruktiv. Da dürfen dann auch Beispiele und Metaphern rein ... für Leute, die mit Lean Brain noch nicht so weit sind.

Derweil gelobe ich Besserung: "el-be-kuh". Gelbe Kuh. Lila Kuh ... was solls.

Ganz lean: Es ist mir echt etwas mulmig zumute. Man weiß nicht, ob man über LBM lachen oder weinen soll. Das muss der Beginn des neuen Lean Brain-Denkens sein. Aller Anfang ist von Unsicherheit geprägt.

5:45 PM  
Anonymous christoph said...

GD:

Es wären eigentlich alle glücklich gewesen, alle so bewertet zu werden, wie sie waren. Oder gar nicht bewertet zu werden. Es ging allenfalls darum zu verstehen, wo jeder stand. Das bedeutet "sich messen" - nicht gemessen werden. Wenn man gut ist, wenn man sich misst, fühlt man sich gut, oder? Und wenn andere so etwa damit einverstanden sein können...


Zum Thema "Wie vermessen sind eigentlich Leute, die sich anmaßen, mich messen zu wollen?" hat ein besserer Mathematiker als Du gerade eine Aussage von bleibender Gültigkeit von sich gegeben.
("Besserer Mathematiker als Du" ist ja nicht ganz eindeutig: den Perelman mein' ich, der hat gerade eine Fields-Medaille von sich gewiesen.)

Aber das ist wohl einer von den abstrusen Perfektionisten.


Mich treiben jedenfalls Leute, die etwas bloss machen, damit sie jemand anders gut bewertet, regelmässig zur Weissglut.

Aber vielleicht bin ich ja auch einer von den abstrusen Perfektionisten.

11:01 PM  
Anonymous christoph said...

GD:

Es wären eigentlich alle glücklich gewesen, alle so bewertet zu werden, wie sie waren. Oder gar nicht bewertet zu werden. Es ging allenfalls darum zu verstehen, wo jeder stand. Das bedeutet "sich messen" - nicht gemessen werden. Wenn man gut ist, wenn man sich misst, fühlt man sich gut, oder? Und wenn andere so etwa damit einverstanden sein können...


Zum Thema "Wie vermessen sind eigentlich Leute, die sich anmaßen, mich messen zu wollen?" hat ein besserer Mathematiker als Du gerade eine Aussage von bleibender Gültigkeit von sich gegeben.
("Besserer Mathematiker als Du" ist ja nicht ganz eindeutig: den Perelman mein' ich, der hat gerade eine Fields-Medaille von sich gewiesen.)

Aber das ist wohl einer von den abstrusen Perfektionisten.


Mich treiben jedenfalls Leute, die etwas bloss machen, damit sie jemand anders gut bewertet, regelmässig zur Weissglut.

Aber vielleicht bin ich ja auch einer von den abstrusen Perfektionisten.

11:02 PM  
Anonymous marvis said...

@Christop: "Mich treiben jedenfalls Leute, die etwas bloss machen, damit sie jemand anders gut bewertet, regelmässig zur Weissglut. "

Ist es denn ok, etwas AUCH zu tun, weil einen dann jemand gut bewertet, einem Anerkennung schenkt o.ä..? Ansonsten würde ich vermuten, dass Du nach Keirsey ein I bist, der die Es nicht verstehen kann. ;-)

1:45 AM  
Blogger Heike said...

Hallo Marvis,

ist ein spannendes Thema intro vs. extrovertiert. Ich sag da einfach auch mal was zu, obwohl Du mich nicht gefragt hast.
Also ich bin auch I. Ziemlich stark sogar. Dennoch mache ich viele Dinge noch um Liebe, Anerkennung oder so was zu bekommen. Es ist für mich echt schwierig, mich davon zu lösen. Dennoch kenne ich auch Es, die so etwas doofes nicht machen. Deshalb denke ich, dass das eher damit zu tun hat, ob man alpha oder beta ist. E brauchen mehr Trubel um sich, klar. Sonst fühlen sie sich irgendwie leer, denke ich. Oder? Aber wenn eine Sache getan wird, dann geht es um die Sache und niemals um den Lohn, den man eventuell erhält! Die Quelle wird ja geliebt oder als Weiser verehrt, oder geachtet. Ganz einfach, weil man die reine Seele in ihrer jeweiligen Form achtet, ehrt oder liebt. Die Quelle bekommt all das am einfachsten, aber sie braucht es nicht mehr, glaube ich. Das sagt zumindest die Philosophie, der ich unter meinen garstigen schnellen Hirnwellen im Moment nur glauben kann, weil ich es in dem Modus nicht wirklich empfinden kann, dass es so ist.
So denke ich das! Kannst du mir da zustimmen?

Liebe Grüße,
Heike

3:39 AM  
Blogger Heike said...

Ich glaube, ich hab Dein "Auch" nicht genug berücksichtigt...
Aber ich denke dennoch, dass man beim Tun nicht, wirklich gar nicht! an so was denken sollte.
DANACH muss man sich manchmal um solche Dinge kümmern! Zum Beispiel, wenn man sein Buch verkaufen will oder sonstiges. Aber das ist ein gänzlich anders Geschäft! Wenn man es AUCH bedenkt, während man es tun, dann wird eben die Sache nicht bestmöglich, denke ich. Wenn ich eine Sache liebe, dann kann ich sie auch irgendwann. Dennoch muss ich vielleicht ne Klausur bestehen und genau eben die gestellten Fragen beantworten mit bestimmten Worthülsen drin. Dann muss ich das Interesse an der Sache unabhängig von der Klausur haben und unabhängig vom Gedanken an Noten. Danach aber muss ich mich wohl auf die Fragen einlassen und auf das, was der Lehrer hören will. Das sind 2 verschiedene Dinge, vielleicht. Und das könnte auch der Grund sein, warum manche es nicht hinbekommen mit viel Aufwand über eine 4 zu kommen. Sie denken nämlich von Anfang an nur an die Note. Sie haben keine Liebe für die Sache.
Könnte sein, dass Du das mit "Auch" gemeint hast. Denn mit dem späteren Verkaufen der Früchte tun sich introvertierte vielleicht wirklich schwerer als extrovertierte.
Hast Du das so gemeint? Das dachte ich mir gerade beim Möbel umstellen...

Liebe Grüße nochmal,
Heike

4:47 AM  
Anonymous marvis said...

Hallo Heike,

daran hatte ich ehrlich gesagt beim Schreiben nicht gedacht, aber so macht es mehr Sinn. Danke für die Ergänzung!

Da gibt es wohl auch nochmal einen Unterschied zwischen Leuten, für die das Prüfen dann eine schmerzhafte Notwendigkeit ist und solchen, die das eigentlich ganz angenehm finden. Ich mache z.B. ganz gerne Vorträge und Präsentationen, und ich bringe gerne Leuten etwas bei. Natürlich nicht ständig; manchmal brauche ich es auch, mich einfach ohne Druck im stillen Kämmerlein mit etwas zu beschäftigen.

Aber an sich finde ich es völlig in Ordnung, nach Anerkennung zu streben. Solange das nicht übertrieben ausgeprägt ist und im falschen Moment auftritt natürlich...

5:17 AM  
Blogger Heike said...

Hallo Marvis,

hey, das ist ein guter Punkt, den Du da ansprichst!
Vorträge, das sind ja online-Aktionen!
Ist was anders, als ein Buch oder ein Bild, finde ich.
Ich hab nur 2 Mal bewusst oder echt eine Art Vortrag gehalten. (Das Rumgestotter an der Uni zähle ich jetzt nicht mit!)
Da ist es ja schon nötig, dass Du darauf schaust, wie er angenommen wird. Es gibt ja kaum was Schlimmeres, als einen, der einfach so sein Programm runter spult, ohne darauf zu achten, was die Leute dazu denken! Also nimmst Du alles wahr.
Allerdings würde ich nicht den Vortrag dann online verändern, oder? Ich gehe dann heim und überlege, wie es war, wie die Leute schauten.
Ich sah zum Beispiel fast nur leere Blicke. Dennoch hat es Spaß gemacht. Weil es wertvoller Input war! Ich muss ja auch rüber bringen, was ich sagen will. Also wusste ich mit meinem ganzen Körper, dass es so nicht geht. Das hätte mir keiner einfach sagen können. Das musste ich erleben!
Vielleicht kannst Du das als E aber auch online, Dinge verändern? Ohne gleich beta zu sein? Da kenn ich mich gar nicht aus!

Auf jeden Fall ist ja dort ein Blick auf "Anerkennung" auch sachdienlich! Also im Sinne von: Ist es gut. Wenn ich Dich recht verstanden habe! Ich weiß nicht, hast Du es so gemeint??

10:59 AM  
Anonymous christoph said...

Ist es denn ok, etwas AUCH zu tun, weil einen dann jemand gut bewertet, einem Anerkennung schenkt o.ä..? Ansonsten würde ich vermuten, dass Du nach Keirsey ein I bist, der die Es nicht verstehen kann. ;-)

"Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu tun."

Hoiotoho!!!

1:13 PM  
Anonymous marvis said...

Hallo Heike,

das ist gar nicht so leicht zu erklären mit den Vorträgen. Ja, ich kann mich "online" an die Situation anpassen und tue das auch des öfteren. Ich bin mir aber nicht immer sicher, ob das gut ist. Zu starkes Verbiegen kann einen auch die Glaubwürdigkeit kosten, und nicht immer bedeutet anfängliche Skepsis, dass man schon verloren hat.

Du hast natürlich Recht, dass es schlecht ist, sein Publikum komplett zu ignorieren und nur sein Ding durchzuziehen. Das halte ich auch für einen groben Fehler. Vielleicht muss man sich einfach nur das richtige Publikum suchen und alles wird gut? :-)

Grüße
Marvis

11:11 PM  
Anonymous marvis said...

Hallo Christoph,

oh Mist, das wusste ich gar nicht. Kann ich meinen Pass direkt bei Dir abgegeben oder soll ich den besser zu Frau Merkel schicken? ;-)

Grüße
Marvis

2:02 AM  
Blogger Heike said...

Hallo Marvis,

ich habe gerade letzte Woche eine alte Mail von einem Freund nochmals gelesen. Sie stammt von 2003.
Da steht eine Wahrheit drin, die ich schon fast wieder vergessen hatte. Er schrieb: "Lass vom Gefallen-wollen! Das ist Deine Sucht. Es dient zur Sicherheit, dass man Dich liebt. Du bist Gefallen-Süchtig! Lass es ganz! Der Alkoholiker kann auch nicht normal mal ein Glas Bier trinken. Ja oder nein! Es gibt kein dazwischen für Dich."

Also, ich denke dass Du ja vielleicht dieses Suchtproblem nicht hast. Dann kannst Du ja vielleicht auch was machen um AUCH zu gefallen? Da kann ich also vielleicht gar nichts zu sagen?

Ich sehe nur, dass man Gefallen-wollen manchmal nur schwer entdeckt. Manchmal tarnt es sich als Mitleid, manchmal als Helfen-wollen, und manches Mal vielleicht auch als der Sache dienlich...

Und andererseits kann ich einem Freund ein Geschenk machen oder so, einfach aus Freude.
Ich denke, man muss darauf achten, dass man es nicht tut, um sich der Liebe, Achtung, was auch immer zu versichern, oder?
Was denkst Du? Damit befasse ich mich gerade.
Auch wenn es etwas vom obigen Thema weg ist...

Liebe Grüße,
Heike

7:01 AM  
Anonymous marvis said...

Hallo Heike,

ich kann natürlich nicht einschätzen, inwiefern der Satz Deines Freundes auf Dich zutrifft. Im Prinzip gibt es sowas natürlich, also die Sucht nach dem Gefallen.
Für mich persönlich sehe ich das im Moment nicht als Problem an, aber das Risiko ist natürlich da.

Streng genommen ist es ja auch ein schmaler Grat zwischen Anerkennung geniessen und sie zu brauchen, zwischen Leuten helfen, weil man sie nicht traurig sehen will, und der Abhängigkeit von der Anerkennung, die man daraus zieht. Ich persönlich vertraue in dieser Hinsicht einfach auf Menschen, die mir nahe stehen. Wenn mich irgendwer kritisiert, dann kann ich das ganz gut wegstecken, aber bei manchen Menschen weiss ich, dass ich da mal genauer drüber nachdenken sollte, wenn sie mich vor etwas warnen.

Eine Sucht halte ich auch für gar nicht so leicht zu erkennen. Wie soll man z.B. eine Internet-Sucht bei jemandem erkennen, bei dem das Internet zum Beruf dazugehört? Wie erkennt man eine Sucht nach Anerkennung bei jemandem, der täglich präsentieren muss? Ich denke, mit einem gesunden Freundeskreis und einem guten Maß an Selbstreflexion geht das schon. Ich würde mir da erst Gedanken drüber machen, wenn Probleme auftauchen, die ich mit meinen normalen Strategien nicht mehr bewältigt bekomme.

Ciao
Marvis

9:28 AM  
Blogger Heike said...

Hallo Marvis,

hmmmm...
Du hast natürlich Recht, wenn Du meinst, dass man nicht immerzu über Probleme nachdenken sollte!
Und ich muss noch Mal sagen, dass ich nicht sagen wollte, dass DU so eine Sucht hast! Ich wollte nur sagen, wie das bei mir ist, damit man was ich sage auch einordnen kann!

Was Du allerdings sagst darüber wann Du anfangen würdest, Dir Gedanken zu machen, da bin ich wohl nicht Deiner Meinung.
Ich kann ja auch mit meiner Machina Erfolg haben! Wenn ich Angst mit Macht kompensiere, dann kann ich ja Kaiser werden. Dennoch werde ich unsicher bleiben! Und mir wird es eventuell gar nicht einfallen, dass diese Unsicherheit in mir liegt! "Es ist die Macht, die viele gerne hätten. Die wollen mich beiseite schaffen. Deshalb brauche ich die Vorkoster unbedingt!"
Oder beim Reden halten: Sie haben nicht recht applaudiert. Ich habe etwas falsch gemacht! Ich muss meine Rede überdenken!
Dort liegt es nahe beieinander, die Sache zu verbessern und die Sache zu verbessern, UM geachtet, respektiert oder geliebt zu sein. Wie Du sagst, und wie ja auch in Topothesie steht, es ist schwer eine Sucht zu erkennen, oder das Gute liegt verdammt nahe neben dem Bösen! Und da denke ich muss man wohl mal inne halten und sich über das eigene Sein klar werden. Muss sich fragen: Habe ich ein Alphaloch, kreise ich um ein nie mehr ungeliebt, unrespektiert, unfrei oder was auch immer? Dann muss ich ja nicht mehr jedes Mal neu nachdenken. Nur noch in neu ins Bewußtsein tretenden Situationen.
Freunde. Ja, das ist schon ganz gut darauf zu hören!Dennoch muss man sich fragen, ob da nicht eine Art Deal besteht. Es gibt ja oft solche Deals der Art: Hör Du mir zu und ich Respektiere Dich dafür. Oder liebst Du mich, dann lieb ich Dich. Da müsste man dann vielleicht mal drüber reden und selbst versuchen auf Einhaltung des Vertrags von seiner Seite nicht mehr zu bestehen?

Das klingt jetzt wieder nach viel Rumhirnerei. Aber ich muss das alles ja nur EINMAL durchdenken. Danach mache ich mein Ding. So wie der Alkoholiker nur einmal fragen muss, ob in Rumkugeln Rum ist und er sie meiden muss! So fragt er bei jedem unbekannten Essen eben nach dem Alkoholgehalt! Das Restleben ist ja normal!

Noch berührt vom Film "Der Gladiator",
Heike

3:36 PM  
Anonymous marvis said...

Hallo Heike,

ich hoffe, ich verstehe Deinen Kommentar richtig, da ich "Topothesie" noch nicht gelesen habe (habe gerade erst "Supramanie" angefangen).

Du magst Recht haben damit, dass ich es mir vielleicht ein wenig einfach gemacht habe. Meine Gedanken waren motiviert von dem Wunsch, im Leben wirklich etwas geschafft zu kriegen und nur hin und wieder mal die Richtung zu korrigieren. Ich vermute mal, Du denkst länger über die Richtung nach, bevor Du losgehst?

Das Problem ist ja, dass ich eben nicht nur einmal nachdenken muss und das reicht dann. Die Welt um mich herum verändert sich ständig, und auch ich verändere mich. Ich kann nicht alle Eventualitäten vorhersehen, Ich persönlich baue da einfach auf das Vertrauen in mich, in meine Erziehung und in die Menschen um mich herum.

Was ich aber auch noch interessant finde: Du sagst, dass ich durch Angstbewältigungsstrategien sogar Kaiser werden kann. Da stellt sich mir die Frage, ob man nur mit gesunden, angstfreien Menschen überhaupt eine Gesellschaft wie die unsere aufbauen und erhalten könnte. Oder zumindest, wie eine angstfreie Gesellschaft aussehen könnte. Viele Menschen lieben ja ihre kranken Könige oder ihre neurotischen Stars. Es sind nicht die ausgewogensten Persönlichkeiten, die die beliebtesten sind. Wie sorgen wir dafür, dass die gesunden Menschen nach oben kommen und man dabei auch nicht schummeln kann?

Ciao
Marvis

11:12 PM  
Blogger Heike said...

Hallo Marvis,

was für ein schöner Kommentar! Und direkt in meinen Fehler hinein geschrieben!
DANKE!!!
Ich denke schon, dass Du mich auch ohne Topothesie verstanden hast. T. handelt ja vom Leben. Von den Ursprüngen dessen, was schief läuft, aber eben auch von einem gelebten Leben. Da Du Dein Leben wohl lebst musst Du es ja nicht nachlesen. Obwohl man dort viele Dinge besser verstehen lernt. Im Außen wie im Innen.
Doch ich weiß nicht, ob ich Dich verstehen kann. Ich habe nämlich noch nicht recht gelebt.
Und Leben hat wohl eine Komplexitätsstufe, bei der man keine Abkürzungen mehr gehen kann. (So erklärt es mir mein Mann immer) Also kann man wohl nicht mit Büchern oder Vordenken den kürzeren Weg gehen!
Deshalb hat Dein völlig neutraler Blickwinkel auf mein "Drehen um mich selbst" mir echt weiter geholfen.
Das Boot meines Lebens war gekentert. Totalschaden. Deshalb musste ich es neu aufbauen. Jetzt hab ich ein kleines Boot, das keine Löcher hat. Und ich rede und überlege daran herum, ob das Boot halten wird. Das aber kann ich nur herausfinden, wenn ich los fahre. Zuerst nah am Ufer, dann bekomme ich Infos über das was dem Boot noch fehlt. Wenn Du schon in einem Schiff sitzt, dann ist es doch sehr gut, wie Du es machst!

Ich weiß ja nicht, was Du mit einer Gesellschaft wie unserer meinst...
Auch bin ich nicht so sehr bewandert in Gesellschaftstheorie. Finde nur Platons Gedanken nicht so schlecht dazu.
Also versuche ich eben die Gesallschaft wie sie ist wahrzunehmen und nicht zu sehr abzulehnen...
Ich glaube, dass es nicht funktionieren kann, dass gesunde Menschen nach oben kommen im System.
Nur vielleicht ganz, ganz tolle gesunde Menschen, die sich das antun wollen, dieses ewige huldigen des Systems. Diese 95% im Sinne der Sache sinnlose Arbeit. Ich glaube das System begünstigt die Machina, also die Wunden-schützende-Betaseele, die immer NUR eines kennt. Den Schutz der Wunde durch mehr Macht! Ich glaube, das ist vom System gewollt. Denn an der Wunde können wir jeden kriegen. Ist wohl ein anderes Menschenbild. Mehr das vom Wolf, der angeleint werden muss um das Ganze zu schützen. Nur leider erweckt es in dem meisten Menschen erst den Wolf, wenn man ihn anleint.
So kann man nur selbst gut leben und dem Umfeld vorleben. So wie Du mir vorgelebt hast, was das rechte für mich wäre!! Daran muss ich doch glauben. Dann kann ich auch DDs über das Panopticon lesen.

Liebe Grüße,
Heike

5:51 AM  
Anonymous Anonymous said...

This is good site to spent time on. allergy

12:31 AM  

Post a Comment

Links to this post:

Create a Link

<< Home