Wednesday, September 20, 2006

Das Panopticon

Kommentare?


„Big Brother is watching you!” Orwell 1984. Es geht um den Schrecken der Überwachung. Orwell hatte keinen richtigen Sinn für Effizienz. Wer hat denn so viel Zeit zum Zuschauen?

Eckhard Umann hat mich dazu gebracht, das Buch Überwachen und Strafen des französischen Philosophen Michel Foucault zu lesen. Wer sich anschließen will, schaue einmal hier:

http://www.amazon.de/gp/product/3518277847/302-4244913-9832826?v=glance&n=299956

Es beginnt mit authentischem Gruseln, wie Schergen versuchen, jemanden mit untrainierten Pferden zu vierteilen. Pferde bleiben ja normal stehen, wenn es nicht weitergeht. Sie zerren doch nicht in eine abstrakte Richtung! Nach ein paar Versuchen mit der Peitsche bittet endlich der Delinquent, doch etwas angeschnitten zu werden … Na ja. Ich konnte noch weiter lesen. Foucault berichtet, wie sich die Machtausübung im Laufe der Zeit verändert hat. Früher zeigte sich die Macht in Waffen und Goldkleidern, erhob die Stimme zum Volk und verkündete. Es gab Bier und Brot, man warf die Reste an den Pranger und henkte ein paar Sünder. Die Macht war offen anwesend und demonstrativ. So ein System ist aber nicht effizient, nicht wahr? Wenn die Macht ab und zu anwesend sein muss, kann sie allenfalls Länder von der Größe eines Wahlkreises wirklich kontrollieren oder sie muss überall Fürsten einsetzen.
Das Buch trägt den Untertitel Die Geburt des Gefängnisses. Früher wurde man nur selten gefangen genommen. Hand ab! Ein paar zehn Hiebe! Fertig. Heute wird man nur noch ins Gefängnis gesteckt. Sagt Foucault. Das Buch ist ja schon 1957 erschienen. Foucault starb 1984.
1957! Da gab es noch keine Geldstrafen, keine Computer und keine richtige Arbeitspsychologie! Schade, da wäre das Buch sicher anders ausgefallen.
Was mich am meisten an dem Buch bewegt hat, ist die Schilderung des Panopticons (von pan und opticos wie Gesamt-Schau). Im Deutschen kennen wir das Panoptikum wie Kuriositätenkabinett, das meine ich nicht!
Ich meine das Panopticon von Jeremy Bentham. Es ist ein Gefängnisbau-Prinzip. Die paradigmatische Konstruktion ist von Bentham in einer Reihe von Einzelschriften und Briefen beschrieben und kommentiert worden. Ich gebe Ihnen die Literaturstelle. Sie ist in sich sehr interessant. Lesen Sie bitte genau.

Bentham, Jeremy, Panopticon: or, the Inspection-House : Containing the idea of a new principle of construction applicable to ... penitentiary-houses, prisons, houses of industry, work-houses, poor-houses, manufactories, mad-houses, hospitals, and schools. With a plan of management adapted to the principle / In a series of letters, written ... 1787, from Crecheff ... to a friend in England. Dublin : Thomas Byrne, 1791.

Es geht um die effiziente Beaufsichtigung von … tja, rotzfrech gesagt, von „armen Schweinen“. Ich glaube, das trifft es am besten, wenn man sich mit dem Panopticon näher befasst. Was ist nun ein Pan-opticon? Ich habe jetzt etwas Bedenken, öffentlich Bilder zu stehlen. Darf ich Sie bitten, bei Google auf Bildersuche zu klicken und dort Panopticon einzugeben? Dann sehen Sie:

http://images.google.de/images?q=panopticon&hl=de

Ich beschreibe es mit eigenen Worten. Stellen Sie sich ein großes Fußballstadion vor, in dem die Zuschauer ausschließlich nur in Promi-Logen mit Ganzglasscheibe zur Mitte sitzen. Wir nehmen den Rasen aus dem Stadion heraus und setzen einen Wachturm auf den Mittelanstoßpunkt. Dort wird ein um 360 Grad drehbares Teleskop montiert, mit dem ein einziger Wächter alle Zuschauerlogen inspizieren kann. Das Teleskop selbst ist für die Zuschauer kaum sichtbar, und der Wächter aber ist ganz bestimmt unsichtbar. Bentham nennt seine Konstruktion auch „Inspection House“. Hier sind unsere Zuschauer nur eben nicht Zuschauer wie im Stadion, sondern Gefangene in Zellen oder ganz generell „Beaufsichtigte“.
Die Konstruktion war ursprünglich für seinen Bruder gedacht, der den Fürsten Potemkin bei der Industrialisierung der Ukraine beriet. (Dieser Fürst ist der, dem die geschichtliche Lüge der Potemkinschen Dörfer bis heute anhängt. Er war ein sehr tüchtiger Manager.) Die Benthams wollten das Problem lösen, wie ganz wenige „qualifizierte“ Engländer möglichst große Massen von Arbeitern überwachen könnten. Die Idee war: Wenn sich Menschen immer beobachtet fühlen, werden sie sich selbst disziplinieren und reibungslos arbeiten. Da der Wächter nicht sichtbar ist, wissen die Menschen nur, dass sie möglicherweise beobachtet werden, nicht aber, wann oder ob überhaupt. Sie haben Angst. Im Grunde reicht schon das bloße Vorhandensein des Fernrohrs für nieder ziehende Furcht aus. In dieser Weise kann eine Teilzeitkraft große Mengen von Gefangenen, Arbeitern, psychisch Kranken oder Schülern inspizieren – weist Bentham 1791 nach. Nach dem Vorbild seiner Originalkonstruktionen wurden tatsächlich Gefängnisse gebaut.

Die Macht erscheint in diesem System nicht mehr laut oder im Goldgepränge. Sie ist unsichtbar und grau – fast nicht da! Die Überwachten aber leben in ständiger Furcht, dass die unsichtbare Macht zugreift. Damit kehren sich die Verhältnisse um! Die Macht ist im Dunkel, der Untertan steht im eingebildeten Licht. „Gott sieht alles!“, so sagt man in anderen erfolgreichen Modellen. Ich stehle jetzt doch einmal, aber in einer Dichtung und verändere ein ganz klein wenig die Wortwahl – und ziehe damit das Messer:

Und der eine steht im Dunkeln,
Und die andern stehn im Licht.
Doch man sieht nur die im Lichte,
Den im Dunkeln sieht man nicht.

Merken Sie etwas? Die, die im Licht stehen – die, die das Fernrohr trifft, zu denen kommt das Finanzamt, die stehen rot markiert im Excel-File, die werden mit einem Minus im SAP stigmatisiert, die werden als D-Kunde in einem Siebel-System vernichtet. Es droht uns ein Review, eine Untersuchung, eine Prüfung. Etwas Unsichtbares übt Macht aus. „Ich kann die schlechten Zahlen erklären!“, rufen wir flehend unter dem gesenkten Pfeil, aber unsere Führungskraft zuckt resigniert mit den Achseln. „Auch ich“, sagt sie, „auch ich bin unter Beobachtung. Auch ich bin getrieben vom Licht auf mich. Niemand kann etwas tun. Das System nimmt keine Einwände entgegen.“

Ach, Michel Foucault ( http://de.wikipedia.org/wiki/Panopticon ), Sie hätten noch die PCs miterleben müssen und die kommenden Human Resource Planning Systeme.

Da fällt mir ein: Wenn Menschen vor dem Fernrohr Angst haben, was tun sie dann? Sind sie innovativ? Vertrauen sie der Nachbarloge? Sprechen sie miteinander?
Wir lernen immer, dass wir im Informationszeitalter leben. Wissen! Lernen! … Oder Videoüberwachung?
Man macht uns abstrakte schwache Angst und Stress. Panopticon.

Und der eine steht im Dunkeln,
Und die andern stehn im Licht.
Doch man sieht nur die im Lichte,
Den im Dunkeln gibt es nicht.

Aber sein Abdruck ist in uns selbst. Er brennt sich über das ein, was wir Gewissen nennen.

6 Comments:

Anonymous marvis said...

Das wirklich gruselige daran ist für mich noch nichtmal so sehr die Angst vor dem Staat als bösen Big Brother.
Viel effektiver können das mittlerweile die Bürger unter sich machen. Einmal googlen reicht, und man hat in vielen Fällen schon eine Menge Peinlichkeiten, mit dem man jemanden unter Druck setzen oder zumindest in Verlegenheit bringen kann.

Noch schlimmer ist eigentlich, wenn man zwar negative Konsequenzen daraus hat, aber es nicht merkt. So dürfte es mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich sein, wenn ein Personalverantwortlicher einen Bewerber erstmal googlet, bevor er ihn einläd. Läd er ihn wohl noch ein, wenn er von ihm ein Foto findet, wo er betrunken auf einem Tisch tanzt? Oder wenn er in seinem Blog über Differenzen mit einem früheren Arbeitgeber schreibt? Kündigungen, die aus ähnlichen Szenarien entstanden sind, gab es bereits einige, ist also alles nicht wirklich weit her geholt.

Das ganze kann man sich natürlich noch beliebig gruselig ausmalen. Wie wäre es denn etwa, wenn jeder eine Kamera in seinem Wohnzimmer hat und von irgendeinem Bürger überwacht und per Lautsprecher zurechtgewiesen werden könnte? Dann wäre der Big Brother gar nicht mehr nötig. Peer-to-Peer-Überwachung statt staatlicher Kontrolle! Das wäre für arbeitslose Richtigtuer doch bestimmt eine tolle Beschäftigungsmaßnahme, oder? ;-)

Wer sich noch ein bischen weitergruseln möchte:

Telepolis: Überwachen und befehlen
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23571/1.html

"Mein Blog liest ja sowieso kein Schwein"
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21643/1.html

"Stewardess wurde wegen privatem Weblog suspendiert"
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18679/1.html

9:18 AM  
Blogger Heike said...

Für mich ist eher der Abdruck (im letzten Satz) das Problem! Dort hat die Macht des Erziehungssystems etwas in uns gebrannt! "Lass das!, Pass auf!" Oder "Du musst xyz"
Ich meinee, das was Du sagst Marvis mit Peer to Peer-Überwachung, das gibt es auf dem Dorf doch schon immer.
Ich ging mit einem Freund einkaufen im Dorf. Nichts besonderes!
Am Abend dann sagte meine Mutter zu mir, dass die Verkäuferin mich mit dem Freund gesehen hätte und ob ich schon wieder eine neue Beziehung hätte.
Ich hab nur gelacht. Ich meine echt, das ist zuuu lächerlich!
Und ich meine, ich google auch gerne! Da kann ich doch ein bisschen erfahren wenigstens ganz grob mit wem ich es zu tun habe! Und wenn ich im Personalbüro wäre, dann würde ich auch schauen! Ist das wirklich ein Problem?
Angenommen ich fände da, dass der Bewerber sich in der Neonaziszene aufhält, oder was anderes ganz abgefahrenes, dann würde er doch mit diesem Gedankengut nicht in meine Firma passen. Oder ich würde irgendwas anders fundamental meine Meinung beeinflussendes finden, dann wäre es doch für beide Seiten nicht schlecht, es läge gleich auf dem Tisch! Ein Bild von einem versoffenen Abend beeinflusst doch nicht wirklich, oder? Jeder hatte so etwas ja schon selbst!
Es wird doch immer getratscht! Das ist etwas menschliches, denke ich. Doch mal ehrlich, sind wir hier nicht schon ein wenig vom Thema weg oder eher auf der anderen Seite vom Mächtigen Unterjocher hin zum überängstlichen Datensschützer? Ich meine, man sollte sich wohl bewusst sein, dass es jeder lesen kann, was man schreibt, ja. Aber es gibt bei mir nicht so viel geheime Sachen. Vielleicht ne Handvoll, die nicht jeder wissen sollte. Da habe ich wohl noch nicht entschieden, ob ich meine Herrschaft im Dunkel dort zulassen will. Ansonsten kann man mich lesen. Es interessiert nur wirklich keinen!
Mein sogenanntes "Gewissen" (die Herrschaft) ist eh viel strenger oder mächtiger, als alles andere! Mein Ich muss gerade sortieren, was davon gut ist und was nicht. Das ist Arbeit und die innere Macht wehrt sich, wenn ich manches davon loswerden will. Ja, das Gewissen foltert mich, wenn ich dumme Gesetze nicht einhalten mag.
Da ist kein Computer dran schuld!
Mit dem Arbeitgeber muss man natürlich vorher sprechen, was der erlaubt.
Aber ich meine ansonsten bin ich eben ich. Das können andere doch sehen. Dann werde ich wenigstens behandelt, wie ich und nicht wie irgendwer. Und jemand, der mir aufgrund von dem, was ich im Web gesagt habe nicht mit mir ungehen will, dem begegne ich dann eben nicht.
Ich meine, wenn ich was ins Web setze, was mir peinlich ist, oder wer anders, dann ist DAS doch schon die schlimmste Station. Es ist mir vor mir peinlich. Da macht es doch nichts mehr, ob es noch jemand weiß, oder? Aber so besoffen, dass mir so was passiert bin ich nie. Mir passieren viel eigentliche Peinlichkeiten, weil ich oft Situationen nicht recht einschätze. Aber es ändert ja nichts daran, wenn es noch jemand mitbekommt!!
Anders ist es natürlich, wenn ich in ein Ranking gepresst werde! Wenn ein Computersystem mich als schlechten Kunden klassifiziert und ich deshalb keine Aufmerksamkeit mehr bekomme, oder nicht so viel wie früher. Oder wenn man mich als schwächelnden Top-Kunden wahrnimmt und mit Werbebroschüren zuschüttet. Das hasse ich! Wenn man nur je einen meiner Werte herauspickt und mich anhand von diesem bewertet und einordnet. Das ist ja, wie wenn man anhand eines Saufbildes nicht genommen wird. Da möchte ich aber meinen, dass kein personaler so doof ist und wenn, dann wäre ich da vielleicht auch nicht gern?

Ich möchte nur sagen tun wir, was wir können! Bewerten wir nicht vorschnell und vor allem hinterfragen wir das, was uns unser Gewissen sagt auf Praktikabilität und auf Sinn! Ansonsten müssen wir doch probieren uns nicht zu fürchten vor dem, was andere sehen könnten. Das sind doch nur wir! Und wenn wir mal gewagt haben uns selbst ins Gesicht zu schauen, dann können wir uns eigentlich vor den anderen kaum noch fürchten! Denn dann haben wir dem wahren Herrscher im Dunkel getrotzt!

4:57 PM  
Anonymous marvis said...

Hallo Heike,

ich glaube, da unterschätzt Du den Druck, den Menschen in einem Dorf empfinden können. Für mich wäre es z.B. die absolute Hölle, in einem Dorf zu wohnen. Dabei bin ich nach außen hin noch relativ "normal". Leute, die von der Norm abweichen, haben es in einem Dorf deutlich schwerer (z.B. Homosexuelle). Deswegen findet man ja auch in den Großstädten viel mehr Leute, die zu ihrer Andersartigkeit stehen. Es ist da einfach weniger Druck da. Durch die neuen Technologien könnte dann quasi das globale Dorf auch in dieser Hinsicht entstehen. Ich finde das schon bedenklich.

Die Computer, die einen falsch einsortieren, sind ja eigentlich nur deswegen ein Problem, weil sie so mächtig sind. Aber letztlich kommen die Kriterien, die Computer anwenden, ja doch irgendwo von Menschen. Und harte Kriterien sind eigentlich immer in vielen Fällen grausam, selbst wenn es nur eine Minderheit betrifft.

Ciao

9:42 AM  
Blogger Heike said...

Hallo Marvis,

gerade schrieb ich sewlbst an etwas, da kommst Du mir zuvor!
Ja, ich habe auch in mir die Macht der anderen unterschätzt, unterschätzen wollen...
Jetzt hat mein Selbst noch weiter darüber nachgedacht...
Es war irgendwie klar, dass ich etwas nicht erkannt, oder nur unzureichend herausgestellt habe.
Was sich verändert hat ist ja doch, dass es den im Dunkeln nicht mehr gibt. Der im Dunkel hatte ja die Freiheit Erbarmen zu zeigen mit einem Delinquenten.
Ein Dorfpfarrer musste die Hexe nicht verbrennen und ein autarker Chef, der nicht von Aktionären abhängt konnte einmal ein Auge zudrücken, wenn einer mal schlechte Zahlen hatte. Heute wird alles durchgereicht bis ganz nach oben, bis zu den Analysten, die dafür Köpfe rollen sehen wollen und nur dann die Aktie wieder kaufen, wenn Personalentscheidungen fallen, weil sonst ihr Kopf rollt.
Im Grunde gibt es gar keinen Kopf mehr! Wie man es zur Zeit besonders deutlich auch an der Bundeskanzlerin merkt, die auf jedwede Äußerung wie ein Fähnchen im Winde reagiert. Die Dunkle Form der Demokratie ist die Herrschaft des Mops schrieb Machiavelli einst. Wild hin und her gegängelt von der momentanen Laune des Volkes, das keine Richtung mehr hat.

Wenn also niemand mehr einen Kopf hat, dann scheint auch keiner mehr ein Herz haben zu können!
Die Furcht nimmt uns das Herz. Die Furcht gleich als nächstes an den Pranger, ins Abseits, in die Arbeitslosigkeit gestellt zu werden.
Also ist für mich die Frage nach der notwendigen Wehklage die: Was ist das Mittel gegen Furcht?
Ich würde sagen: Lebensfreude?
Nun ist nach Frankl, den ich gerade mit steigender Begeisterung lese Freude ein Epiphänomen, das heißt, sie kann nicht direkt intendiert werden, weil man so schon an ihr vorbei rutscht. Das finde ich aus persönlicher Erfahrung richtig! Was also sollten wir anstreben? Nach Frankl ist es das Finden und verwirklichen seines Lebenssinns. Nach Dueck ist es genauer das Leben unter ruhigen Alphawellen im Hirn. Quelle werden, nicht raffen, was man kriegen kann!
Schon Jesus sagte in Johannes 4,13 als er an einem Brunnen steht:
"Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt."
Eine Sache lieben lernen ist der einzige Weg zum Leben! Daran führt wohl kein Weg vorbei! Und wenn sie drohen, dann kann ich nur sagen macht es wie mein Mann - kümmert Euch nicht darum, kümmert Euch um Eure Sache, an der Euer Herz hängt!

Liebe Grüße,
Heike

10:28 AM  
Anonymous Uwe Linck said...

Ich denke, _alle_ Sachen lieben zu lernen ist der Weg zum Leben.


"Und der eine steht im Dunkeln,
Und die andern stehn im Licht.
Doch man sieht nur die im Lichte,
Den im Dunkeln gibt es nicht."

Ich finde, genau das beschreibst Du in Deinem ersten Kommentar, Heike.

Den im Dunkeln gibt es nicht. Warum erschaffen wir ihn dann, jeder für sich selbst, in uns und nennen das Gewissen?

Ich glaube nicht, dass das Dorf so furchtbar viel schlimmer ist als die Stadt. Jeder weiss alles, man kennt auf dem Dorf eher die Staerken und Schwaechen seiner Mitmenschen anstatt Normal-Menschen vorauszusetzen und selbst zu versuchen, wie einer auszusehen.

Der im Dunkeln ist dabei auf dem Dorf viel weniger mächtig, _weil_ mehr im Licht ist. Und vielleicht gerade deswegen akzeptiert man auch die verschiedenen Schwächen der Mitmenschen und die Menschen selbst, während man sich an ihren Stärken erfreut.


Nebenbei, Heike:
"Da möchte ich aber meinen, dass kein personaler so doof ist und wenn, dann wäre ich da vielleicht auch nicht gern?"

Sollt man meinen. Aber wahrscheinlich ist es zu optimistisch gedacht und der Personaler denkt schon lean brain und nicht so wie Du ... Du musst wohl noch üben. ;-)

2:20 AM  
Blogger Heike said...

Lieber Uwe,

ich glaube, wir reden auf zwei völlig verschiedenen Grundannahmen?
Zum Lieben: Was ist Liebe? Ich sagte früher immer, dass Liebe verstehen heißt. Frankl sagt das auch so ungefähr. Nun meineich, dass Liebe irgendwie so was wie unbedingtes Wahrnehmen ist. Ich lasse alles in mich einströmen ohne zu werten. Danach versuche ich die Teile zu einer Ganzheit zusammenzufügen, welche ich mit Wohlwollen betrachte?
Die Frage ist doch: Reicht mein kleines Hirn, mein kleines Herz aus ALLES in seiner Tiefe und Besonderheit wahrzunehmen und zu einem für mich stimmigen Bild zusammenzufügen? Also mich überfordert das bei Weiten! Ich habe das nicht in 14 Jahren bei meinem Mann geschafft. Ich sehe einiges, ja, aber noch lange nicht alles. Ich weiß nicht, ob man das überhaupt können kann.
Da gilt für mich Bescheidenheit! Vielleicht ist dort auch Liebe, dass man sich immer wieder überraschen lässt von dem, was man nicht kennt?

Na, wahrscheinlich meinst Du das Wohlwollen, mit dem Du allem gegenüber trittst, auch und gerade dem Unbekannten. Das ist ja dennoch sehr stark! Ich kann das nicht bei allem! Ist aber nicht so schlimm! Ich lass mich da nicht mehr treiben zum Lieben, was mir früher oft passiert ist.

Das "Gewissen" bekommen wir vom Erziehungssystem eingepflanzt, damit wir parrieren, denke ich. "Da oder dort packen wir ihn" (bei der Wunde). Das gibt Sicherheit. Ist wie eine Fußfessel! Und der Mensch weiß, dass das System ihn da bekommt, wo es ihm weh tut, weil wir ja immer so auffällig darauf erpicht sind, dass eben keiner in die Wunde fasst und wegen der feinen Seismographen die die Wunde schützen sollen auch dort zu allererst den Schmerz spüren müssen!
Deine Erfahrung mit dem Dorf ist ja eine ganz schöne! Das zeigt, dass es nur davon abhängt, wie Leute mit Infos umgehen und nicht davon, wieviel wir verheimlichen können. Es ist schön, wenn Du eine solche Erfahrung gemacht hast! Danke!

Liebe Grüße,
Heike

Ach ja und ich kapier jetzt nach diesem DD endlich, warum LBM geschrieben wurde. Mein Mann hat es nur gelesen. Und er sagte, was ich verständlich fand, dass es doch cool wäre, wenn alle doofe Arbeit vom System gemacht würde und dass man es nur noch nicht konsequent genug machen würde und deshalb noch Menschen ohne Hirn ihre Arbeit verrichten müssten. Und ich dachte an "Star Trek"
Jetzt erscheint mir das alles doch sinnvoller!

9:46 AM  

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